
IM FRÜHSOMMER
DER HARMONISCHE WEG - EINE
MUSIKALISIERUNG DES WANDERNS
EIN PROJEKT FÜR DAS RITTNER HORN auf dem
Ritten in Klobenstein Südtirol
VON ALBERT
MAYR
Liebe Wanderfreunde!
Ab Sommer 2007 finden Sie entlang des Weges von der Bergstation zur Talsenke vor dem Unterhornhaus
kleine Tafeln mit Bruchzahlen aufgestellt. Was haben sie zu bedeuten? Sie unterteilen den Weg nach dem Prinzip der harmonischen Reihe, mit jeweils 1/8 als kürzester Teilstrecke.
Eine"Musikalisierung des Wanderns" wo man nichts hört? Wenn Sie wissen möchten, was es mit der unhörbaren Musik in diesem Projekt auf sich hat, finden Sie Informationen dazu im nächsten Abschnitt.
Jetzt einmal ein paar Hinweise, was Sie mit dem harmonischen Weg anfangen können, wenn Sie Lust haben, sich auf ein Experiment mit einer etwas anderen Umwelterfahrung einzulassen.
Die sportliche Variante:
z.B. die Unterteilung durch 7; das erste Siebtel der Strecke gehen Sie schnell, das zweite langsamer, das nächste wieder schnell, usw.
Die kontemplative Variante:
z.B. Sie wählen z.B. die Unterteilung durch 3; im ersten Drittel konzentrieren Sie sich auf die Umwelt, auf das, was Sie sehen, hören, riechen; im zweiten konzentrieren Sie sich auf sich selbst, verarbeiten die Eindrücke; im letzten Drittel öffnen Sie wieder Augen, Ohren und Nase.
Das rhythmische Gespräch (für eine Gruppe)
:
z.B .Sie wählen z.B. die Unterteilung durch 4; im ersten Viertel unterhalten Sie sich; im zweiten schweigen Sie; im dritten Viertel unterhalten Sie sich wieder; und im letzten schweigen Sie wieder.
Das sind nur Anregungen; jede/r kann seine/ihre eigene Variante erfinden.
Viel Vergnügen!
Dir Tafeln wurden von Theresia Mittersteiner, Scuola d'arte Cademia Gröden, entworfen
Zur unhörbaren Musik
Nach der pythagoreischen Tradition, die bis hin zu Kepler im abendländischen Denken präsent war, gibt es drei Arten von Musik:
- die musica mundana, die in den Abläufen der Natur (Bahnen der Himmelskörper, Wechsel
der Jahreszeiten, usw.) zu finden ist;
- die musica humana, die sich, in heutiger Terminologie, in den chronobiologischen Abläufen
des gesunden Menschen zu erkennen gibt;
- und schließlich die musica instrumentalis, die unserer gängigen Musikauffassung entspricht.
Im Rahmen dieses erweiterten Musikbegriffs spielt der harmonikale Pythagoräismus eine wichtige Rolle: nach dieser Auffassung gelten die Verhältnisse der harmonischen Reihe (1/1, 1/2, 1/3, 1/4........) und die anderen daraus resultierenden Verhältnisse (2/3, 3/4, 4/5......), als das wesentliche Ordnungsprinzip des Universums. Für die abendländische Musik nimmt diese Ordnung bekanntlich eine zentrale Stellung ein, da sie die Verteilung der Obertöne in den als musikalisch gewerteten Klängen widerspiegelt. In der Harmonikalen Grundlagenforschung wird diesem Ordnungsprinzip in den Anordnungen und Verteilungen der belebten und unbelebten Natur wie auch in den von Menschen geschaffenen Werken nachgespürt.
Trotz mancher theoretischer Einwände (auf die hier nicht eingegangen werden soll) fand ich diesen Zugang zu 'Musik und Welt' immer faszinierend. In meiner Arbeit hatte sich dies bislang in zeitbezogenen Projekten niedergeschlagen, einer graphischen Arbeit, CALENDARIO ARMONICO, und zwei Klangarbeiten, HORA HARMONICA und DIES HARMONICA.
Das Projekt HARMONISCHE WEGE ist ein Versuch, die harmonikale Ordnung auf Raum-Zeitliches anzuwenden, in diesem Fall auf die Rhythmisierung des Gehens und, bei aufgeschlossener Haltung der Durchführenden, die Beziehung zur Umwelt, im Sinne der oben beschriebenen musica mundana und humana.
Albert Mayr
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Gehzeit: 20 Minuten